Digitale Bildungsinnovationen für die Schule versprechen viel. In der Praxis bleiben ihre Potenziale jedoch häufig ungenutzt. Nicht, weil es an Ideen oder Technologien fehlt, sondern weil zentrale Akteure aneinander vorbeiarbeiten oder -reden. Das „EdTech Policy Lab“ will das ändern und schafft gemeinsame Verständigungsräume für Bildungsverwaltung, Politik und EdTech-Akteure.

Ein Projekt für Verständigung und wirksame Zusammenarbeit

Die Bertelsmann Stiftung hat das Lab mit seinem Projekt „Change Learning“ maßgeblich initiiert. Das EdTech Policy Lab ist ein Projekt des Forum Bildung Digitalisierung gemeinsam mit der gemeinnützigen European EdTech Alliance, der Bertelsmann Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Vodafone Stiftung Deutschland sowie der Heraeus Bildungsstiftung. Ziel ist es, einen strukturierten Dialograum zu schaffen, in dem sich Schlüsselpersonen aus der Bildungsverwaltung und dem EdTech-Sektor über konkrete Herausforderungen mit Blick auf umsetzbare Lösungen austauschen. Die Ergebnisse werden in einem Praxisleitfaden gebündelt und einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht.

Change Learning ist Teil des Labs, weil es hier, wie in unserem gesamten Projekt darum geht, das „Was“ mit dem „Wie“ zu verbinden. Es stehen nicht allein die EdTech-Tools an sich im Fokus. Vor allem treibt uns die Frage um, wie Schulsysteme lernen, mit digitalen Innovationen sinnvoll umzugehen, damit Schüler:innen gerne zur Schule gehen und dort gut lernen können.

Der Startschuss in Berlin

Der offizielle Auftakt des EdTech Policy Lab fand am 12. Januar in der Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung in Berlin statt. Strukturelle Fragen wie faire Vergabeverfahren, Produkttransparenz, digitale Infrastruktur sowie rechtliche Rahmenbedingungen standen inhaltlich im Fokus – verbunden immer mit dem Ansatz, wie die beiden Welten von Verwaltung und EdTechs besser zueinanderkommen und sich verstehen. Der Blick auf Deutschland wurde durch Perspektiven von der Europäischen Kommission, dem zentralistisch organisierten Frankreich und der stark föderalen Schweiz erweitert.
Ein zentrales Ergebnis des Auftakts: Auf beiden Seiten, Verwaltung wie EdTechs, besteht ein klarer Wille zur Zusammenarbeit.

Internationale Impulse von der Bett UK in London

Zusätzliche Inspiration lieferte eine Woche darauf die Bett UK (British Educational Technology Show) in London, die weltweit größte Messe für Bildungstechnologien. Seitens der Bertelsmann Stiftung nahm Charlotte Jost teil und war Teil einer Delegation des Forums Bildung Digitalisierung und der Kultusministerkonferenz. Die Bett UK bot drei Tage lang intensive Einblicke in internationale Perspektiven auf EdTech, KI und Bildungspolitik.

Beim Austausch in der Anwaltskanzlei Cooley standen rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen im Fokus. Deutlich wurde: Länder mit klaren Zuständigkeiten, allgemeingültigen Richtlinien und Testräumen ermöglichen Innovation schneller und zielgerichteter. Gespräche mit EdTech-Unternehmen aus verschiedenen Ländern wie den „Norwegian Classroon“ auf der Messe zeigten, wie systemische Einführung gelingen kann: Mit politischer Rückendeckung, Beteiligung aller Akteure und konsequenter Wirkungsorientierung. Der Besuch einer Grundschule in Großbritannien machte sichtbar, wie politische Rahmenbedingungen in gute Schulpraxis münden. Der gezielte Einsatz digitaler Lernlösungen, eingebettet in eine datenbasierte Steuerungsstrategie, führte dort zu mehr Lernmotivation, messbaren Lernerfolgen und hoher Akzeptanz bei Lehrkräften, Eltern und Schüler:innen.

Die Eindrücke aus Berlin und London bestärken den Grundgedanken des EdTech Policy Labs: Wirksame digitale Bildungsinnovation entsteht durch tragfähige Brücken zwischen Politik, Verwaltung, Praxis und EdTechs – für Schulen, die Schüler:innen gutes Lernen ermöglichen.