Zwei Tage, 13 Bundesländer, und ein gemeinsames Ziel: Schüler:innen sollen besser lesen lernen – mit dem Leseband

Auf Einladung des Stiftungsnetzwerks Leseband kamen im Harnack-Haus in Berlin Schulpraktiker:innen, Vertreter:innen aus Bildungsministerien, Landes- und Dateninstituten sowie der Wissenschaft zur dritten Vernetzungstagung der Leseband-Länder zusammen. Im Stiftungsnetzwerk wirken die Auridis Stiftung, die Bertelsmann Stiftung, die Crespo Foundation, die Beisheim Stiftung, die Reinhard Mohn Stiftung, die Unternehmerstiftung für Chancengerechtigkeit sowie das Zentrum für Bildung und Chancen im Collective-Impact-Ansatz gemeinsam.

Im Mittelpunkt der dritten Vernetzungstagung stand die Frage: Was braucht es, damit Diagnostik und Leseförderung im Leseband gut ineinandergreifen – über alle Ebenen des Schulsystems hinweg? Einige der 13 Bundesländer haben das Leseband bereits fest in der Schullandschaft verankert, andere stehen kurz davor. Die vom Stiftungsnetzwerk initiierten Vernetzungstagungen schaffen Raum, um über Ländergrenzen hinweg voneinander zu lernen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und das Leseband so weiterzuentwickeln, dass es für alle Kinder wirksam ist.

Warum die Vielfalt der Leseband-Länder eine Stärke ist

In bewusst heterogen besetzten Tischgruppen standen Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt. Die Leseband-Länder sind unterschiedlich weit und gehen unterschiedliche Wege. Gerade darin liegt ihre Stärke: Wo Erfahrungen geteilt, neue Perspektiven eröffnet und Unterstützungssysteme gemeinsam weiterentwickelt werden, wächst die Kohärenz im System – und damit auch die Wirksamkeit des Lesebands.

Impulse aus Wissenschaft, Praxis und internationalen Bildungssystemen

Die Vernetzungstagung bot wissenschaftliche Impulse mit starkem Praxisbezug und Einblicke in andere Bildungssysteme:

  • Prof. Dr. Elmar Souvignier (Universität Münster) sprach über „Diagnostik als Hebel für Förderung“.
  • Bill Cober und Gillian Gibbons vom York Region District School Board stellten Ansätze datenbasierter Lernkulturen in Ontario, Kanada, vor.
  • Luna Horr (Christian-Albrechts-Universität Kiel) gab Forschungseinblicke in die „KI-gestützte Textdifferenzierung“ bei Sachtexten für die weiterführende Schule.
  • Dr. Sofie Henschel (IQB – Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) stellte formative Lesediagnostik für das Leseband am Beispiel des digitalen Basiskompetenztests Lesen vor.

Zentrale Erkenntnis: Diagnostik muss in Förderung münden

Eine Erkenntnis zog sich durch viele Beiträge und Gespräche: Lesediagnostik ist kein Selbstzweck. Ihren eigentlichen Nutzen entfaltet sie erst dann, wenn aus ihr konkrete Förderung entsteht. Lehrkräfte sollten deshalb nicht bei der Diagnose stehen bleiben, sondern auf Grundlage der Ergebnisse didaktische Entscheidungen treffen und die Leseförderung gezielt ausrichten. Nur so kann Lesenlernen passgenauer gestaltet werden, sodass alle Kinder mitgenommen werden und ihre Fortschritte im Leseband sichtbar werden. Ebenso deutlich wurde: Damit Diagnostik und Förderung im Leseband wirksam zusammenspielen, braucht es passende Rahmenbedingungen im Schulsystem. Dazu gehören niedrigschwellige und alltagstaugliche Diagnoseinstrumente für Lehrkräfte ebenso wie eine klare Entscheidung zwischen einer zentralen Empfehlung für ein bestimmtes Diagnostiktool bzw. für die schulischer Entscheidungsfreiheit auf Seiten der Bildungsministerien. Vor allem aber braucht es verlässliche Unterstützungssysteme, damit Schulen sicher mit Lesedaten arbeiten können.

Auch KI spielte in der Diskussion eine wichtige Rolle. Perspektivisch kann sie jedem Kind automatisiertes Feedback zur individuellen Leseleistung geben, personalisierte Förderempfehlungen ableiten und passende Leseübungen generieren. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Differenzierung in der Leseförderung. Zugleich braucht es Orientierung, denn KI wirft auch Unsicherheiten und neue Fragen auf – etwa mit Blick auf ein mögliches blindes Vertrauen in KI-gestützte Tools („automation bias“).

Es geht um datengestützte Leseförderung – ebenso um Kultur und Haltung

Am Ende zeigte sich deutlich: Für eine datengestützte und nachhaltige Umsetzung des Lesebands braucht es nicht nur geeignete Tools für Diagnostik und Förderung, sondern auch eine tragende Haltung und Kultur:

  • dateninformiert und pädagogisch sensibel arbeiten
  • Diagnoseergebnisse als Ausgangspunkt für Förderung verstehen
  • Fehlerfreundlichkeit und Lernorientierung stärken
  • verlässliche Routinen, Verantwortlichkeiten und Zeitfenster schaffen
  • Schulen bei Diagnostik und Förderung gezielt unterstützen

Als Bertelsmann Stiftung bleiben wir gemeinsam mit dem Stiftungsnetzwerk in diesem Themenfeld aktiv. Um mehr Orientierung zu Lesediagnostik und Leseförderung zu schaffen und praxisrelevantes Wissen systematisch aufzubereiten, werden demnächst ein Überblickstool zur Lesediagnostik und eine Handreichung zum Lesenlernen vorbereitet. Mit diesen Angeboten sollen Wissen, Kapazitäten und Kompetenzen im Bereich der Leseförderung an Schulen im Sinne eines lernenden Schulsystems weiter gestärkt werden.

 

Die Vernetzungstagung zum Leseband war eine Veranstaltung der Bertelsmann Stiftung und wurde finanziell von der Auridis Stiftung und der Crespo Foundation unterstützt. Sie fand im Rahmen der Zusammenarbeit des Stiftungsnetzwerks Leseband statt, in dem sieben Stiftungen gemeinsam wirken: Auridis Stiftung, Beisheim Stiftung, Bertelsmann Stiftung, Crespo Foundation, Reinhard Mohn Stiftung, Unternehmerstiftung Chancengerechtigkeit sowie das Zentrum für Bildung und Chancen.

 

FOTOGALERIE