Wie kann Veränderung im Schulsystem wirklich gelingen? Mit guten Ideen allein ist es nicht getan – entscheidend ist, dass unterschiedliche Akteure zusammenarbeiten und Veränderungen gemeinsam mit Mut, Leidenschaft und langem Atem vorantreiben. Um herausragende Initiativen lernender Schulsysteme sichtbar zu machen und in ihrer Arbeit zu unterstützen, verleihen wir bei Change Learning in diesem Jahr erstmals den Change Learning Award. 

Im Rahmen des Creative Bureaucracy Festivals in Berlin zeichnen wir am 11. Juni zwei Initiativen bzw. Netzwerke aus, die zeigen, wie Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg funktionieren kann: das Netzwerkprojekt „LuPe²“ aus Detmold und den Strategieprozess „Bildungsland Sachsen 2030“. 

Viele Bewerbungen aus ganz Deutschland 

Die Resonanz auf den neuen Preis war groß: Insgesamt haben sich 43 Netzwerke und Initiativen aus allen 16 Bundesländern beworben. Für uns ein deutliches Signal, dass Bildungswandel vielerorts längst aktiv gestaltet wird – von Schulen, Verwaltung, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam. 

„Die Herausforderungen im Bildungssystem lassen sich nur durch koordinierte Zusammenarbeit bewältigen“, sagt Dirk Zorn, Director im Programm Bildung und Next Generation. Ziel des Awards sei es deshalb, erfolgreiche Kooperationen sichtbar zu machen und andere Akteure im Bildungssystem zu inspirieren. 

LuPe²: Neue Lern- und Prüfungskultur aus Nordrhein-Westfalen 

Das Projekt „LuPe²“ des Instituts für Zeitgemäße Lern- und Prüfungskultur aus dem Regierungsbezirk Detmold beschäftigt sich mit einer Frage, die viele Schulen aktuell bewegt: Wie können Lernen und Leistungsbewertung zeitgemäß gestaltet werden? 

Dafür arbeiten Schulen, Schulaufsicht und Wissenschaft eng zusammen. Im Netzwerk wurden unter anderem neue Formen der Leistungsbewertung entwickelt und getestet – etwa praxisnahe Alternativen zu klassischen Klassenarbeiten oder neue Feedbackformate für Schüler:innen. 

„Der Austausch der unterschiedlichen Akteure im Netzwerk war sehr wertvoll. Es ist wichtig, dass wir auf verschiedenen Ebenen gleichermaßen ansetzen und auch die Rolle der Schulaufsicht bei der Unterstützung und Begleitung von zeitgemäßen Prozessen der Schul- und Unterrichtsentwicklung neu denken müssen“, sagt Klaus Twelsiek, Dezernent Bildung in der digitalen Welt bei der Bezirksregierung Detmold.  

Das Projekt soll künftig auch auf die gymnasiale Oberstufe ausgeweitet werden. Für seine Arbeit erhält das Institut für Zeitgemäße Lern- und Prüfungskultur ein Preisgeld von 30.000 Euro. 

Mehr zum „LuPe²“-Netzwerk: Projekte – Institut für zeitgemäße Prüfungskultur

Bildungsland Sachsen 2030: Bildungsentwicklung als gemeinsamer Prozess 

Auch Sachsen verfolgt mit „Bildungsland Sachsen 2030“ einen breit angelegten Ansatz. Unter Federführung des Kultusministeriums wurden gemeinsam mit zahlreichen Beteiligten langfristige Ziele und konkrete Maßnahmen für die Weiterentwicklung des Bildungssystems erarbeitet. 

Im Mittelpunkt stehen unter anderem eine stärkere Ausrichtung auf selbstorganisiertes Lernen, eine größere schulische Eigenverantwortung, kompetenzorientierte Lehrpläne sowie eine engere multiprofessionelle Zusammenarbeit an Schulen. 

Besonders bemerkenswert: In den Prozess wurden nicht nur Verwaltung und Politik eingebunden, sondern auch Schulen, Kommunen, Eltern, Schüler:innen und zivilgesellschaftliche Akteure. 

„Mit dem ‚Bildungsland Sachsen 2030‘ sorgen wir für eine datengestützte Schulentwicklung, mehr selbstorganisiertes Lernen und neue, kompetenzorientierte Lehrpläne in allen Fächern. Ich freue mich über den Award als Auszeichnung für die vielen Menschen, die am ‚Bildungsland Sachsen 2030‘ mitarbeiten. Die ersten konkreten Maßnahmen setzen wir bereits gemeinsam um und haben noch viel vor uns“, sagt Conrad Clemens, Staatsminister im Sächsischen Staatsministerium für Kultus.  

Mehr zum „Bildungsland Sachsen 2030“: Bildungsland 2030 Sachsen – Bildungsland 2030 – sachsen.de

Bildungswandel braucht starke Netzwerke 

Beide ausgezeichneten Initiativen zeigen auf unterschiedliche Weise, dass nachhaltige Veränderungen im Bildungssystem vor allem dort entstehen, wo Menschen und Institutionen gemeinsam Verantwortung übernehmen. 

Die Bertelsmann Stiftung möchte die Zusammenarbeit mit den Preisträger:innen deshalb auch über die Auszeichnung hinaus fortsetzen. Ziel ist es, erfolgreiche Ansätze weiterzuentwickeln und ihre Erfahrungen für andere Regionen nutzbar zu machen. 

Die Preisverleihung findet am 11. Juni auf dem Creative Bureaucracy Festival im Festsaal Kreuzberg in Berlin statt – einem internationalen Forum für innovative Ansätze in Verwaltung und Gesellschaft. 

Mehr zur Preisverleihung auf dem Creative Bureaucracy Festival: Schulsystem im Wandel: Wie Veränderung gelingt und was wir daraus lernen können | Creative Bureaucracy Festival