Wie soll Schule in Sachsen-Anhalt im Jahr 2035 aussehen? Welche Veränderungen sind notwendig, damit Kinder und Jugendliche auch in Zukunft gute Bildungs- und Teilhabechancen erhalten? Und vor allem: Wie können diese Veränderungen tatsächlich umgesetzt werden?
Diesen Fragen widmet sich der Beteiligungsprozess „Bildungsland Sachsen-Anhalt 2035“, der vom Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt gemeinsam mit Change Learning durchgeführt und durch das nexus Institut begleitet wird. Ziel ist es, gemeinsam mit den Menschen, die Bildung gestalten und erleben, Perspektiven für die Zukunft des Bildungssystems zu entwickeln und daraus konkrete Handlungsschritte abzuleiten.
Nach den Regionalforen in Naumburg, Dessau und Stendal im März mit insgesamt 450 Teilnehmenden bildete die Bildungskonferenz an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg einen weiteren wichtigen Meilenstein. Rund 300 Vertreter:innen aus Schulen, Verwaltung, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sowie Schüler:innen kamen zusammen, um die bisherigen Ergebnisse zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
Etwa 30 Maßnahmen aus den Regionalforen wurden vom Ministerium und dem Landesschulbeirat, einem multiperspektivisch zusammengesetzten Beratungsgremium, als besonders relevant und zukunftsweisend eingestuft. Genau diese Maßnahmen standen im Mittelpunkt der Bildungskonferenz und wurden dort nochmals detailliert diskutiert.
Viele Perspektiven, ein gemeinsames Ziel
Die hohe politische Bedeutung der Konferenz wurde auch dadurch deutlich, dass Ministerpräsident Sven Schulze die Teilnehmenden persönlich begrüßte und seine Vision für die Weiterentwicklung des Bildungslandes Sachsen-Anhalt teilte. Der Ministerpräsident und Bildungsminister Jan Riedel eröffneten die Bildungskonferenz darüber hinaus mit der Botschaft, dass die Transformation des Bildungssystems nur im Zusammenspiel vieler Akteur:innen gelingen kann.
Im Verlauf des Tages wurde sichtbar, wie viel Wissen, Engagement und Gestaltungsbereitschaft im Bildungssystem Sachsen-Anhalts vorhanden sind. Die Konferenz bot Raum für den Austausch zwischen Menschen, die Bildung aus sehr unterschiedlichen Perspektiven betrachten, worin ihre besondere Stärke lag.
Zugleich stand die Entwicklung einer gemeinsamen Vision im Mittelpunkt, die als Orientierung dient, Gestaltungskraft entfacht und die Akteur:innen für die weitere Umsetzung mobilisiert. Die dabei entwickelten Zielbilder zu den einzelnen Handlungsfeldern wurden gemeinsam mit Bildungsminister Jan Riedel sowie Lucienne Balke vom Landesschülerrat, Rüdiger Bauch (Schulleiter der Berufsbildenden Schulen „Gutjahr“), Mamad Mohamad (Geschäftsführer von LAMSA e. V.) und Anna Thiemann (Staatliches Seminar für Lehrämter Halle) diskutiert.
Demokratie lernen, indem man sie lebt
Wie können Schulen junge Menschen darauf vorbereiten, Verantwortung in einer demokratischen Gesellschaft zu übernehmen? Dieser Frage widmete sich eines der Zukunftsbilder.
Die Teilnehmenden entwickelten das Bild einer Schule, in der demokratische Mitgestaltung selbstverständlicher Teil des Alltags ist. Schüler:innen bringen sich aktiv ein, diskutieren über Themen, die sie bewegen, übernehmen Verantwortung und erleben, dass ihre Ideen gehört werden. Demokratiebildung findet dabei nicht nur im Unterricht statt, sondern in Konferenzen, Projekten, Schülervertretungen und im täglichen Miteinander.
Starke Unterstützung für jedes Kind
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Schulen Kinder und Jugendliche noch besser begleiten können. Die Vision für das Jahr 2035 beschreibt Schulen, in denen Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, pädagogische Fachkräfte und weitere Partner:innen eng zusammenarbeiten und Verantwortung gemeinsam tragen.
Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Unterstützungssysteme, sondern um eine Kultur der Zusammenarbeit. Unterschiedliche Professionen bringen ihre Perspektiven ein, um Schüler:innen bestmöglich zu fördern und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.
Gute Bedingungen für den Einstieg in den Lehrkräfteberuf
Intensiv diskutiert wurden auch die Wege in den Lehrkräfteberuf. Wie können neue Lehrkräfte, Seiteneinsteiger:innen und Lehramtsstudierende besser begleitet werden? Welche Strukturen brauchen sie, um sicher und erfolgreich in den Beruf zu starten?
Das Zukunftsbild beschreibt Schulen, die neue Kolleg:innen von Beginn an willkommen heißen und unterstützen: durch Mentoring, verlässliche Einarbeitung, Zeit für Hospitationen und Austausch sowie transparente Qualifizierungswege. Schule wird dabei nicht nur als Lernort für Schüler:innen verstanden, sondern auch als Ort professioneller Entwicklung und des Lernens für alle Beschäftigten.
Mehr Verantwortung vor Ort ermöglichen
Im Themenfeld „Schulen sichern und Handlungsspielräume ausbauen“ diskutierten die Teilnehmenden, wie Schulen mehr Gestaltungsmöglichkeiten erhalten können.
Die Vision für 2035 ist eine Schule, die Entscheidungen dort treffen kann, wo ihre Auswirkungen unmittelbar spürbar sind: vor Ort. Schulleitungen und Kollegien verfügen über größere Freiräume bei Personal, Organisation und Schulentwicklung. Gleichzeitig bilden Vertrauen, klare Verantwortlichkeiten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Schulträgern, Schulaufsicht und Ministerium die Grundlage für gemeinsames Handeln.
Der Prozess geht weiter
Die entwickelten Facetten des Zukunftsbildes zeigen, in welche Richtung sich das Bildungsland Sachsen-Anhalt aus Sicht der Beteiligten in den kommenden Jahren entwickeln soll. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass Veränderungen Zeit, vertrauensvolle Zusammenarbeit und einen langen Atem brauchen.
Die Bildungskonferenz markiert dabei keinen Schlusspunkt, sondern den Übergang in die nächste Phase des Prozesses. Das Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt hat sich ausdrücklich dazu bekannt, den Dialog mit den beteiligten Akteur:innen fortzuführen und gemeinsam an der konkreten Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen zu arbeiten. Damit sollen die entwickelten Ideen nicht auf dem Papier bleiben, sondern spürbare Verbesserungen für Schüler:innen und Schulen in Sachsen-Anhalt bewirken.
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