Die jüngst veröffentlichten neuen PISA-Daten zeigen nicht nur eine besorgniserregende weitere Verschlechterung der Kompetenzen junger Menschen in Deutschland. Sie zeigen auch: Auch 25 Jahre nach dem ersten “PISA-Schock” diskutieren wir im Wesentlichen über die gleichen Lösungsansätze. Der Reformaktionismus überdeckt das Fehlen einer tragfähigen Strategie zur Trendumkehr. 

Für unser Projekt “Change Learning” war die Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse 25 Jahre nach dem „PISA-Schock“ von 2001 Anlass, am 16. September gemeinsam mit der OECD und der UNESCO zum Bildungstalk am Werderschen Markt einzuladen. Rund 35 Gäste aus Bildungsverwaltung, Wissenschaft, Schulpraxis, Verbänden und Zivilgesellschaft kamen dafür in unserem Berliner Haus zusammen. 

PISA vergleicht international, über welche Kompetenzen 15-jährige Schüler verfügen. Die Veröffentlichung sorgt jedes Mal für kurzfristige mediale Aufmerksamkeit. Fachdebatten enden regelmäßig mit der achselzuckenden Erkenntnis, wir hätten kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. 

Unser Bildungstalk setzte genau hier an: Wie können Verantwortliche im Bildungssystem aus solchen Diagnosen nachhaltige Strategien entwickeln? Und welche Kompetenzen, Strukturen und Unterstützung brauchen sie, damit Veränderungen auch in der Fläche bei den Schüler:innen ankommen? 

Drei Impulsbeiträge 

Drei Impulse beleuchteten die Frage aus unterschiedlichen Perspektiven: Francesco Avvisati von der OECD ordnete die deutschen PISA-Ergebnisse und ihre Entwicklung über 25 Jahre ein. Beatriz Pont vom UNESCO International Institute for Educational Planning stellte ein Change-Framework zur Umsetzung von Bildungsreformen vor. Zentral dafür sind der Blick auf den Kontext, die gemeinsame Entwicklung von Ownership durch Beteiligung, Capacity Building im System sowie eine Kultur des gemeinsamen Lernens auf allen Ebenen. Ein dritter Impuls durch Alexander Kraft, Abteilungsleiter im Bildungsministerium Schleswig-Holstein, richtete den Blick auf strategische Steuerung und den Mehrwert partizipativ gestalteter Bildungsreformen im deutschen Schulsystem – und verwies dabei auch auf die veränderte Führungskultur, die im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Projekt “Change Learning” bei der Erarbeitung einer Datenstrategie im Land entstanden ist. 

Vertrauliche Diskussion 

Im anschließenden Austausch diskutierten die Teilnehmenden aus ihren unterschiedlichen Perspektiven, unter welchen Voraussetzungen Wandel im Schulsystem gelingen kann. Deutlich wurde, dass gemeinsame Zielbilder, klare Verantwortlichkeiten und Veränderungskompetenz auf unterschiedlichen Ebenen eine zentrale Rolle spielen. Der Austausch hat zugleich gezeigt, wie viele Personen über institutionelle Grenzen hinweg mit ähnlichen Vorstellungen an denselben Herausforderungen arbeiten. Das Format des Bildungstalks am Werderschen Markt leistet einen Beitrag dazu, diese Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, neue Verbindungen zu ermöglichen und Impulse für die gemeinsame Arbeit im Schulsystem zu geben. 

© Bertelsmann Stiftung

(Von links nach rechts: Martin Pfafferott, Francesco Avvisati, Nicola Brandt, Alexander Kraft, Beatriz Pont, Dirk Zorn, Emelie Lambertz)