In der bundesweiten Aktionswoche zur seelischen Gesundheit (in diesem Jahr vom 10. bis 20. Oktober) wird auch thematisiert, was Schulen selbst zur Stärkung der psychischen Gesundheit der Jugendlichen leisten können. Geht es dabei um präventive Maßnahmen, die Schulen wirksam umsetzen können, dann kommen Schutzfaktoren für schulbezogenes Wohlbefinden in den Blick, die maßgeblich die mentale Gesundheit stärken. Genau hier setzt echoUP an, ein praxisnahes Instrument für Schülerfeedback. Ziel ist, unter Beteiligung der Schüler:innen den schulischen Dialog zur Entwicklung der folgenden Schutzfaktoren anzuregen.
Diese Schutzfaktoren werden mit echoUP sichtbar
Der zentrale Schutzfaktor ist guter Unterricht, der emotionale Unterstützung, individuelle Förderung, psychologische Sicherheit und Selbstwirksamkeit erlebbar macht. Folgende Merkmale guten Unterrichts erscheinen besonders relevant, wie es auch der Monitor Bildung und psychische Gesundheit zeigt, und können mit echoUP im Handlungsfeld „Lernklima“ sichtbar gemacht werden:
- Konstruktive Unterstützung: Inwieweit erleben die Schüler:innen eine positive Fehlerkultur, lernförderliches Feedback, emotionale Unterstützung durch Lehrkräfte, Fürsorge, Ermutigung, Zutrauen?
- Klassenmanagement: Inwieweit erleben die Lernenden wiederkehrende Rituale, klare Regeln, fließende Abläufe sowie präsente und achtsame Lehrkräfte? Wie wird mit Störungen umgegangen?
- Kognitive Aktivierung: Inwieweit erleben die Lernenden anregende, herausfordernde, sinnvolle und verstehbare Aufgaben, (individuelle) Lernprozesse und positive Lernerfahrungen?
Ein zweiter sehr relevanter Schutzfaktor ist das Gefühl der Schulzugehörigkeit. Eine aktuelle Metaanalyse zeigt: Wer sich in der Schule zugehörig fühlt, entwickelt häufiger ein positives Selbstbild und zeigt weniger Anzeichen emotionaler Belastung. Oder umgekehrt: Wer sich der Schule wenig zugehörig fühlt, hat ein höheres Risiko für Einsamkeit, depressive Symptome und suizidale Gedanken.
Zugehörigkeit entsteht vor allem dort, wo Jugendliche gesehen, ernst genommen, unterstützt und als Teil einer Gemeinschaft akzeptiert und beteiligt werden. Vor diesem Hintergrund erscheinen folgende Merkmale besonders relevant und können mit echoUP im Handlungsfeld „Schulklima“ sichtbar gemacht werden:
- Beziehung zu Erwachsenen: Inwieweit erleben Schüler:innen die Erwachsenen der Schule als unterstützend, respektvoll, interessiert, vertrauensvoll, ermutigend oder auch fürsorglich?
- Beziehungen zu Mitschüler:innen: Inwieweit pflegen Schüler:innen Freundschaften in der Schule, fühlen sich akzeptiert, der Klasse zugehörig, lachen und erleben glückliche Momente?
- Umgang mit Streit und Konflikten: Inwieweit fühlen sich Schüler:innen bei Streit unterstützt? Gibt es Regeln und Möglichkeiten, darüber zu sprechen und Konflikte zu lösen? Gibt es Angebote zur Streitschlichtung?
- Unterstützung bei Mobbing: Inwieweit fühlen sich Schüler:innen bei Mobbing unterstützt? Erleben sie achtsame Erwachsene, denen es wichtig ist, dass niemand gemobbt wird? Werden Folgen besprochen, und gibt es vertrauensvolle Ansprechpersonen?
Demokratische Schulkultur und Partizipation bilden einen dritten wichtigen Schutzfaktor. Das Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung zeigt, dass Mitbestimmung eng mit dem schulischen Wohlbefinden und der psychischen Gesundheit zusammenhängt. Folgende Merkmale können im Handlungsfeld „Mitbestimmung“ mit echoUP sichtbar gemacht werden:
- Offenes Unterrichtsklima: Inwieweit ist der Unterricht offen für verschiedene Sichtweisen? Können Schüler:innen kontrovers diskutieren und ihre Meinung vertreten? Werden sie dazu ermutigt, und wird gegen extremistische Äußerungen vorgegangen?
- Mitbestimmung im Unterricht: Inwieweit können Schüler:innen über Themen sprechen, die ihnen wichtig sind, und Methoden, Materialien oder auch Sozialformen und Regeln mitgestalten?
- Feedbackkultur: Inwieweit erleben Schüler:innen, dass sie Ideen zur Unterrichtsgestaltung einbringen und den Lehrkräften offen oder anonym Rückmeldung geben?
- Mitbestimmung des Schullebens: Inwieweit erleben Schüler:innen, dass sie ihre Interessen gemeinsam oder durch gewählte Vertretungen einbringen und Entscheidungen sowie Problemlösungen wirksam mitgestalten können?
Ein vierter Schutzfaktor ist der Umgang mit schulischen Belastungen, die durch Prüfungen und Notengebung entstehen können. Im Handlungsfeld „Prüfungen und Leistungsdruck“ können folgende Merkmale mit echoUP sichtbar gemacht werden:
- Prüfungskultur: Inwieweit erleben Schüler:innen, dass sie rechtzeitig und gut auf Prüfungen vorbereitet werden und sie bei der Wahl der Inhalte, Formen und Termine mitbestimmen können?
- Umgang mit Leistungsdruck: Inwieweit fühlen sich Schüler:innen beim Umgang mit Stress unterstützt, erhalten sie Beratung, können ohne Druck lernen, haben ausreichend Zeit und Raum zur Erholung?
- Leistungsbewertung: Inwieweit erleben Schüler:innen, dass ihre Lehrkräfte ihnen hilfreiche Rückmeldungen geben, fair bewerten und sie darin bestärken, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen?
Ein fünfter Schutzfaktor liegt in der Gestaltung des Schulraums. Im Handlungsfeld „Gesunder Lebensraum“ können mit echoUP folgende Merkmale für das schulbezogene Wohlbefinden sichtbar gemacht werden:
- Sauberkeit und Hygiene: Inwieweit erleben Schüler:innen ihre Schule als einen sauberen, gepflegten und einladenden Ort mit nutzbaren Sanitäranlagen, verfügbaren Hygieneartikeln und einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Ausstattung?
- Essen, Trinken und Bewegen: Inwieweit erleben Schüler:innen, dass sie während der Schulzeit ausreichend trinken, sich gesund ernähren und bewegen und dabei von der Schule unterstützt werden?
Die Handlungsfelder und Merkmale wurden in Workshops mit Jugendlichen auf Basis bestehender Skalen und Fragebögen und unter wissenschaftlicher Beratung entwickelt. Weitere Handlungsfelder und Themen werden derzeit in Jugendworkshops entwickelt und schrittweise ergänzt.
Hinter echoUP steht ein Beteiligungs- und Schulentwicklungsprozess
echoUP möchte den schulischen Dialog zur Stärkung der Schutzfaktoren für schulbezogenes Wohlbefinden und mentale Gesundheit anstoßen. Da nur die Schüler:innen selbst darüber Auskunft geben können, was ihr Wohlbefinden in der Schule fördert oder beeinträchtigt, sind sie an dem dahinterliegenden Prozess maßgeblich beteiligt.
Im ersten Schritt wird innerhalb der Schule das Ziel „Förderung des schulbezogenen Wohlbefindens“ klar benannt und transparent gemacht. Alle Beteiligten müssen nachvollziehen können, dass mit der Stärkung der Schutzfaktoren zugleich der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule (noch) besser erfüllt werden kann.
Im zweiten Schritt wird datengestützt ein Ausgangspunkt für die Entwicklung bestimmt. Hier kommen die Umfragen mit echoUP ins Spiel. Dabei werden die Schüler:innen nicht nur befragt, sie sind auch diejenigen, die den Prozess der Befragung umsetzen:
- Eine Gruppe von interessierten Schüler:innen wählt 2 bis 3 Themen aus den Handlungsfeldern aus, die besonders relevant erscheinen.
- Sie erstellen den Fragebogen und legen in Abstimmung mit den begleitenden Erwachsenen oder der Schulleitung den Zeitraum fest.
- Sie verbreiten die Befragung, damit alle Schüler:innen daran teilnehmen können, kontrollieren den Rücklauf und fassen bei Bedarf nach.
- Sie sichten die Ergebnisse, treffen eine Vorauswahl und diskutieren die relevanten Ergebnisse mit den begleitenden Erwachsenen oder der Schulleitung.
Im dritten Schritt werden auf Basis der Ergebnisse potenzielle Vorhaben identifiziert, geeignete ausgewählt, als Maßnahmen geplant und mit allen Beteiligten umgesetzt.
Im vierten Schritt geht es dann darum, die Entwicklung nach einiger Zeit auszuwerten und mögliche Veränderungen sichtbar zu machen. Mit einer erneuten Umfrage kann ein neuer Ausgangspunkt bestimmt und Maßnahmen geplant, umgesetzt und ausgewertet werden.
Wer Interesse an echoUP hat, kann sich beim Team per E-Mail melden: echo-up@bertelsmann-stiftung.de
Weitere Informationen unter: Willkommen bei echoUP
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